Ebersberg - San Bartolo liegt nicht gleich um die Ecke. Es liegt in Italien. Genauer gesagt, irgendwo hinter Verona. Auf schmalen Bergstraßen mit unzähligen Haarnadelkurven und Serpentinen erreichten „De Ebersberger Böllerschützen“ ihr schon Wochen vorher angepeiltes Ziel.

Bürgermeister Walter Brilmayer und seine Frau Elfriede bei den Feierlichkeiten in Italien. Foto: kn
Mitten drin, statt nur dabei: Ebersbergs Bürgermeister und Landrat-Stellvertreter Walter Brilmayer, der sich mit seiner Elfriede zum Freundschaftstreffen mit den Italienern unter die Böllerer mischte. Schützenhilfe auf der Fahrt über den Brenner erhielten die furchtlosen Ebersberger von den Pfaffenwinkler Schützen, die unterwegs aufgesammelt worden waren. Schon die Anfahrt war ein Erlebnis. Sonne und Regenschauer wechselten sich ab. Die Brotzeit musste mehrfach verschoben werden, weil das Schützen-Picknick zu „ersaufen“ drohte. Chronist Reiner Machate, der gewissenhaft Auffälligkeiten notierte, war hin- und hergerissen. Ober-Böllerer Johann Wust beeindruckt: „In Selva di Progno wurden wir wie gute Freunde begrüßt“ – natürlich mit einem ohrenbetäubenden Salut. Verständigungsschwierigkeiten? Na ja. Der Bürgermeister von San Bartolo hielt eine Ansprache, die Dolmetscherin Sandra auch für oberbayerische Ohren verständlich machte. Die Tage und Nächte im Land der Azzuris vergingen wie im Flug. Ein Termin jagte den nächsten. Ausflüge in die nähere Umgebung, ein Museumsbesuch sowie Tanzveranstaltungen mit Folkloregruppen wechselten sich ab. „Ganz schön anstrengend, so eine Reise mit den Böllerschützen,“ gestand Bürgermeister Brilmayer, der dabei aber nicht das Fünf-Gänge-Menü meinte, dass die Gastgeber vorbereitet hatten. Ein weiterer Höhepunkt des deutsch-italienischen Freundschaftstreffens: Eine Messe unter freiem Himmel. Danach ging es in die Hauptkirche von San Bartolo, wo die Freundschaftsurkunden unterschrieben wurden und Geschenke ausgetauscht wurden. Die Italiener erwiesen sich als vorzügliche Gastgeber und deckten die Bajuwaren mit Prosecco, Rot- und Weißwein ein. Die Aufnahmefähigkeit der Bayern wurde auf eine harte Probe gestellt. Kulturell lernten Brilmayer, Wust und Co. ebenfalls dazu. Interessante Informationen über die Tradition der Zimberer ließen Ebersberger und Pfaffenwinkler aufhorchen. Und dass die Trombiner Böllerschützen ihr Handwerk verstehen, bewies schon die Lautstärke ihrer Schussübungen. Den standen die Gäste aus „good old Bavaria“ nicht nach. Zwischen und nach den Trinkliedern griffen auch sie zur „Büchse“. Ihr Salut brachte jedenfalls das Kriegerdenkmal in San Bartolo zum Beben. Und noch eine Erkenntnis nahm die bayerische Delegation mit: Der Gerstensaft schmeckt den Italiener genauso gut wie der Schützenverwandtschaft nördlich des Brenners. Der Schlusspunkt eines gelungenen Ausflugs der Böllerer: Abschiedsszenen der besonderen Art, die Eindeckung mit Proviant (Käse und Wein) und ab ging’s Richtung Heimat.
Übrigens: Die freundschaftlichen Bande mit den Italienern sollen – das wurde immer wieder betont – noch stärker gefestigt werden und beim Auseinandergehen meinten Ebersberger und Pfaffenwinkler übereinstimmend: „Wenn’s wieder nach Italien geht, san mir dabei – Ehrenwort.“
Quelle: Münchner Merkur
San Bortolo