Die Entstehung des Böllerschießens
Man muss davon ausgehen, dass das "Lärm erzeugen" nicht erst nach Erfindung des Schießpulvers aufkam, sondern seinen Ursprung weit vor diesem Zeitraum zu finden ist. Der bei den Menschen tief verwurzelte Aberglaube war Ausgangspunkt für dieses Tun. Schon früher wollte man unter anderem Dämonen durch Lärm vertreiben, z.B. beim Wolfausläuten.
Das Wolfausläuten (Wolfauslassen) stammt aus der Zeit, als Hirten das Vieh auf den Bergweiden und Wiesen des Bayerischen Waldes vor Bären und Wölfen schützen mussten. Dazu hängte man den Kühen Glocken um den Hals. Deren Geläut vertrieb das wilde Getier und man konnte verlorene Tiere wieder besser finden. Zusätzlich schlug der Hirte von Zeit zu Zeit mit seiner „Goaßl“ (eine Art Peitsche), die einen ohrenbetäubenden Knall verursachte. (Quelle: Wikipedia)
Das Erwachen der Natur nach der Wintersonnenwende wurde ebenfalls in dieses Brauchtum übernommen. Zur Ausübung dieses Treibens verwendete man zunächst Glocken, Peitschen oder ähnliche Dinge, bis der Lärm auch "maschinell", d.h. mit Böllern und Kanonen, erzeugt werden konnte. Es war früher üblich, an den bedeutendsten Raunächten der Weihnachtszeit zu schießen. Raunächte sind im Volksglauben drei der von Spuk erfüllten mittwinterlichen Zwölfnächte, und zwar die erste (vom 25.12), die mittlere (Neujahrsnacht) und die letzte (zum 06.01.). Die einzelnen Bräuche sind sehr mannigfaltig und unterscheiden sich von Region zu Region. Im Berchtesgadener Land wie auch anderswo wird am Fronleichnamsfest geschossen. Jeweils 3 Schüsse werden abgefeuert. Ebenso wird auch bei Hochzeiten geschossen. Ein alter Brauch war auch das Johannisschießen. Beim Entzünden des Johannisfeuers wurden Schüsse abgefeuert. Auch bei Taufen wurde zu Ehren des neuen Weltbürgers geschossen. Genau so wurde oder wird zu besonderen Anlässen wie Geburtstagsfeiern, Kirchweihen, Ehrungen, Fahnenweihen, Beerdigung usw. geschossen. Auch bei uns in Ebersberg wird seit jeher bei Beerdigungen von Mitgliedern des Veteranen- und Reservistenvereins mit der Kanone geschossen. Die Zahl "Drei" bezeichnet wie sonst, auch so bei der Salve (auch Salut genannt), das Abgeschlossene, Vollendete, Vollständige. Nachdem die Kirche diesen Bräuchen nicht immer freundlich gegenüberstand, versuchte sie durch eine stärkere Bindung an den Klerus diesen Aberglauben auszutreiben. Da auch vereinzelt Missbrauch mit dem Schießen getrieben wurde, kam es wiederholt zu Schießverboten. Lockerungen dieses Schießverbotes wurden vorgenommen, wenn es galt, große Feste der Obrigkeit durch Schießen lautstark kund zu tun und der Freude Ausdruck zu verleihen.
Alleine in Bayern pflegen über 600 Vereine mit mehr als 8.300 Böllerschützen diesen alten Brauch!