Krach bei den Böllerschützen: Ebersberger gründen neuen Verein
VON MICHAEL SEEHOLZER Ebersberg
Wenn es bei den Böllerschützen kracht, dann aber richtig. In der Untergruppe der Königlich-privilegierten Feuerschützen Ebersberg gab es offenbar Reibereien. Am heutigen Samstag treten die Mitglieder um 16 Uhr zum letzten Mal in der alten Formation in Hinteregglburg beim Abschlussschießen auf. Danach geht man getrennte Wege.
Die Mitglieder äußern sich sehr zurückhaltend über den Grund der Meinungsverschiedenheiten. "Anscheinend hat es Querelen gegeben", sagt Hans Binsteiner, langjähriges Mitglied bei den "1. Böllerschützen Ebersberg der kgl. priv. Feuerschützen". "Wenn man zu einem Böllertreffen nur mit sechs Mann erscheint, schaut das nicht gut aus", kritisiert hingegen Hans Wust, der scheidende Schussmeister seine Kameraden, die ihm zu wenig aktiv gewesen seien. Er und sein Stellvertreter, Hans Hanschek, verlassen den Verein und wollen es fortan unter dem Namen "De Ebersberger Böllerschützen" krachen lassen. Einen Nachschub haben die "Königlich Privilegierten" schon gefunden. Am vergangenen Mittwoch übernahmen Peter Binder und Konrad Steiner als neue Schussmeister das Kommando.
Im Landkreis Ebersberg gibt es Böllergruppen zum Beispiel in Kirchseeon, Berganger, Anzing und Hohenlinden. Die Kreisstadt hat jetzt gleich zwei solcher Traditionspfleger, die noch dazu fast gleich heißen. Hans Wust: "Wir waren mehr für die Auswärtsspiele, die anderen mehr für die Heimspiele." "Wir haben Mitglieder mit kleinen Kindern, die gehen zum Christkindlanschießen in Berchtesgaden nicht aus dem Haus", sagt hingegen Binsteiner.
Die neue Truppe der "Ebersberger Böllerschützen" kann gleich ein großes Geschütz auffahren. Mit den Verein gewechselt hat Ludwig Prücklmeier, der eine 12-Pfund-Kanone aus dem Napoleonfeldzug mitbringt. Der neue Verein hat auch sonst sein Angebot aufmunitioniert. "Wir haben die Genehmigung, dass wir außerhalb von Schießstätten mit dem Vorderlader Salut schießen dürfen", so Wust. In Miesbach werden die Mitglieder mit ihren historischen Schwarzpulverwaffen auch scharf schießen, kündigt Prücklmeier an.
Die Ebersberger Böllerschützen haben bereits 40 Mitglieder. "18 aktive und 22 passive", rechnet Wust zusammen. Am heutigen Samstag wollen alle zusammen noch einmal laut werden - beim Abschlussschießen. Vorher findet in Hinteregglburg um 15.30 Uhr ein Gottesdienst für die verstorbenen Vereinsmitglieder statt. Dann gibt es kostenlos Jagertee und Kinderpunsch.
Quelle: Müncher Merkur 17.12.2005